von Freitag, 25.10.,  bis Sonntag, 27.10.2019 im Exzess, Leipziger Straße 91, 60487 Frankfurt-Bockenheim
Filme brauchen Freiraum und Begeisterung.   Das Filmfest präsentiert einen kleinen  Ausschnitt, der die Vielseitigkeit unabhängiger Filmproduktionen zeigt und unsere Begeisterung für das Kino wiederspiegelt. Wir haben  für Euch ein buntes Filmprogramm voller Überraschungen zusammen gestellt. Es reicht vom Mystery-Thriller bis zum Experimentalfilm, von einer spannenden Dokumentation bis zur Film- und Liveperformance. Und  auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.   Es soll ein Fest sowohl für die Sinne als auch für Geist und Körper werden.   Dazu möchten wir euch herzlichst einladen. Einlass jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn.
Freitag, 25.10.2019 20 Uhr:  INGENIUM (D 2013-2018) Mit: Esther Maaß, Judith Hoersch, Adrian Topol, Regie: Steffen Hacker Die Studentin Felicitas wird im Urlaub in Thailand überfallen und entkommt nur um Haaresbreite. Kaum zurück in Deutschland, ist ihr Leben komplett aus den Fugen geraten, Realität und Albtraum verschwimmen. Nur ihre alte Freundin Natascha verspricht einen Ausweg, doch sie steckt in der Psychiatrie. Aufwendiger und spannender Independent Mystery-Thriller. 22 Uhr:   EXPERIMENTALFILMPROGRAMM zusammengestellt von Gunter Deller 1. SIMBA IN NEW YORK von Tobi Sauer, D 2016, 32 Min. 2. EINE KNEIPE AUF MALLE von Marian Mayland, D 2017, 15 Min. 3. EURE KINDER WERDEN SO WIE WIR von Andree Korpys/Markus Löffler, D 2008, 27 Min. 4. ENERGIE! von Thorsten Fleisch, D 2007, 5 Min. Die 4 Filme nutzen sehr unterschiedliche Stilmittel, aber ihnen allen ist gemeinsam, dass sie unsere Sicht gesellschaftlich-politischer Verhältnisse auf filmisch-experimentelle Weise thematisieren. Dabei spielt häufig das Aufnahmematerial eine prägende Rolle und macht uns seine Funktion als Zeit- und Erinnerungsspeicher bewusst. SIMBA IN NEW YORK von Tobi Sauer, D 2016, 32 Min. Millionen von Kindern sind mit Walt Disneys Filmfiguren aufgewachsen und Disney galt als die Verkörperung des "American Dream". Seine kindliche Prägung und gleichzeitige Faszination für Amerika versucht der junge Filmemacher zu ergründen, indem er in Amateurmaterial, in Home Movies, das wirkliche Amerika zu finden hofft. EINE KNEIPE AUF MALLE von Marian Mayland, D 2017, 15 Min. Essen, 2016. Zwei überholte Erscheinungen: Super-8-Film, Kodachrome K40, 30 Jahre nach Ablaufdatum belichtet, und die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Ein kurzer Film über die menschliche Neigung, Muster im Rauschen zu erkennen, über Verschwörungstheorie, den Zustand der Linken und darüber, wie Ideologie über vermeintlich neutrale Fakten vermittelt wird. EURE KINDER WERDEN SO WIE WIR von Andree Korpys / Markus Löffler, D 2008, 27 Min. Aus dem Programm der “Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen”. In der Nacht zum 14. November 2006 fährt ein Castor-Transport zum Zwischenlager Gorleben. Einige Atomkraftgegner protestieren auf den Straßen. Ihnen steht ein Großaufgebot der Polizei gegenüber. Auch im Mai 2007, beim Treffen der G-8-Staaten in Heiligendamm, sind die Demonstranten mit einem enormen Polizeiaufgebot konfrontiert. Die Filmemacher dokumentieren diese Ereignisse in ungewöhnlichen Ausschnitten und Perspektiven.   ENERGIE! von Thorsten Fleisch, D 2007, 5 Min. Entladungen von 30.000 Volt wurden direkt auf Fotopapier belichtet. Diese Fotogramme dienten als Grundlage für die Montage eines überwältigenden filmischen Ereignisses, mit einer Wucht zwischen Schönheit und Zerstörungskraft.. Musik: Jens Thiele Samstag, 26.10.2019 18 Uhr: SOUND OF SILENCE ein Special zu Filmscores von Enrico Corsano mit INTERSTELLAR OVERDRIVE, Video 8 Min Verschiedene Musiker und Musikerinnen covern die Musik von Hans Zimmer aus dem Film „Interstellar“ mit großer Leidenschaft und auf ganz eigene Weise. SILENT RUNNING BETWEEN SHADOWS Mystery Stummfilm mit Livevertonung EM90, 9 Min. ein Film- und Musikspecial zu Ennio Morricones 90. Geburtstag CINEMANIA eine musikalische Achterbahnfahrt durch die Filmgeschichte Soundtracks von Kultfilmen live vorgetragen und  zum mitmachen. 20 Uhr: G E S T A P O – S W I N G, Dauer: 80 Minuten - Format 16:9 Stereo Film mit Lesung und Diskussion über die Swing-Jugend - Opposition unter den Nazis. Gelesen wird aus der Gestapo-Akte über die Frankfurter Swing-Jugendlichen – von denen Emil Mangelsdorf heute noch Musik macht. Auch Sankt Paulianer Peter Petersen spielte damals Swing und erzählt mit Peggy Parnass seine Geschichte.   Motivation der Filmemacher: Beim Methfesselfest 2019 wurde die Vorführung des Films "Sankt Paulis Starke Frauen"  im Kulturzelt in Eimsbüttel von zwei noch nicht identifizierten Neonazis angegriffen - sie rüttelten am Zelt und pöbelten rum. Durch unsere sofortige Intervention konnten sie vertrieben werden. Dies brachte uns auf den Plan dies neue Projekt schneller anzulegen als gedacht. Wir haben Interviews zum Thema Swing-Jugend gedreht und  haben eine Gestapo-Akte zugespielt bekommen, die dazu gelesen wird, sodaß sich ein  80-minütiges Programm ergibt. Sicher ist das vor allem was für Schulklassen – die Interview-Partner gingen noch bis vor kurzem in den Schulunterricht und diskutierten. Nun sind sie zu alt und wünschen sich, daß die Arbeit mitd em Video und der Gestapo-Akte die Lücke schliessen möge. Nach dem Video wird die Akte groß auf die Leinwand geworfen und Seite für Seite gelesen. Die Gestapo-Akte aus dem Jahr 1944 ist ein Dokument, das viele neue Informationen über die Swing-Jugendlichen liefert – vor allem wird der hohe Anteil an Frauen in der Bewegung deutlich die sich strakt von den Nazis distanzierte – kriminalisiert, verhaftet und gefoltert wurde – manche verschwanden bis Kriegsende sogar im KZ. "Gestapo Swing" ist  eine Live-Lesung aus der Gestapo-Akte über die Swing-Jugend gelesen von mehreren Stimmen mit Diskussion und Video-Einspielungen.   Gezeigt werden neue Zeitzeugen-Interviews von Rasmus Gerlach. Interview 1: Peter Petersen wuchs in der Nazi-Zeit in einem Zigaretten-Kiosk auf  Hamburg  Sankt Pauli auf und geriet durch sein Interesse für Swing-Musik in ein Umfeld von unangepassten Swing-Jugendlichen - wurde verhaftet und an die Front geschickt - ein Schicksal daß ihn mit dem Frankfurter Emil Mangelsdorf, verbindet. Interview 2 - Emil Mangelsdorf spielt die Hymne der Swing-Boys auf seinem alten Saxophon und berichtet vom Überwachungswahn und der Repression bei den Nazis. Auch er wurde brutal in den Kriegsdienst gezwungen. Peter Petersen desertierte und versteckte sich im Kiosk an der Reeperbahn und spielte heimlich weiter Swing-Musik - Emil Mangelsdorf machte später eine Karriere mit Jazz & Swing-Musik zusammen mit seinem berühmten Bruder. Die Akte erwähnt ih als Randfigur -  heute  ist er einer der letzten Überlebenden. Die Gestapo-Akte ist ein perfides Dokument - selbst die Zimmer der Swing-Jugendlichen fotografierte die Geheimpolizei – observierte bis in die Betten... 22 Uhr: SANKT PAULIS STARKE FRAUEN - REEPERBAHNER*INNEN mit den Liverbirds - der ersten und ältesten Frauen-Rockband Sankt Paulis und der Welt Deutschland 2019, 84 Min., dt. OF Dokumentarfilm von Rasmus Gerlach   Das besondere Flair von St. Pauli hat immer viele spannende Frauen angelockt, die als Wirtinnen, Musikerinnen oder auch Nonne ihren Kiez maßgeblich mitgestalten. Die Spannbreite der wunderbaren Frauen, die Ras mus Gerlach für sein ungewöhnliches St. Pauli - Por trät getroffen hat, reicht von Burlesque- Performerin Eve Champagne über die legendäre Kneipenwirtin Rosi von Rosis Bar und ihr junges Gegenstück Betty Kup sa, über Hotelchefin Rikka von der Kogge  bis hin zu Franca, Chefin des 1905 von ihrer Familie gegründeten, legendären Italieners Cuneo in der Davidstraße. Sie sind waschechte Reeperbahner*innen und haben ein liebevoll ab geklärtes Verhältnis zum bunten Treiben rings um sie herum. Wie auch die Musikerinnen der Liverbirds, die in den 60er Jahren nach  Hamburg kamen und nie wie der fort gingen ... obwohl Bassistin Mary Dostal eigent lich Nonne werden wollte. Die Liverbirds waren die erste Frauen-Rockband Sankt Paulis und er Welt. Initiiert durch den Film tretem sie inzwischen wieder auf. Gemeinsam mit Bernadette La Hengst liefern sie den Soundtrack für den Film. Und natürlich darf eine echte Nonne nicht fehlen, das St. Pauli-Kloster ist nur einen Eckball vom Stadion entfernt. Sonntag, 27.10.2019 18 Uhr: OPEN SCREEN Offen für Filme, Gespräche und Austausch. 20 Uhr: KURZSCHLUSS Zum Abschluss des Filmfestes gibt es Kurzfilme von der HfG Offenbach und anderen freien Filmemachern und Filmemacherinnen.  
Veranstalter: Independent Cinema im Exzess, Exzess, 60487 Frankfurt, email: indiecinex@gmail.com